In Jesu Namen, Amen. Es ist mir eine Freude, eine tiefe Freude und Ehre, heute mit Ihnen hier im Zentralheiligtum derer, die den Herrn Jesus liebhaben, diesen Gottesdienst zu feiern. Keiner wie Jesus. Und dazu lesen wir aus dem Brief des Paulus an die Kolosser, im ersten Kapitel.
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung, denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das sichtbare und das unsichtbare. Es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten. Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem. Und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte, durch sein Blut am Kreuz. Amen.1
Regierungsantritt bedeutet Jubel. Machtübernahme heißt Freude. Amtseinführung ist ein Fest. Das war im alten Rom so. Die Arenen flossen über vor Menschen, wenn ein neuer Kaiser an die Macht kam. Und das war in Frankfurt so. Aus dem Römer floss der klare Riesling, der klare Wein, wenn der neue Herrscher den Thron bestieg. Und das war in Bonn so. Da wurden die roten Läufer ausgelegt und die roten Rosen überreicht, wenn die neuen Herren kamen. Und das ist in der Gemeinde Jesu nicht anders. Himmelfahrt bedeutet Jubel. Himmelfahrt heißt Freude. Amtseinführung Himmelfahrt ist ein Fest. Einfach, weil Jesus an diesem Tag in alle Macht eingeführt wird. Einen Eißler a.D. mag es ja geben. Eisler ade haben sie vor drei Jahren gesagt und sie haben Recht gehabt. Oldies, Grufties, Sarkophagies gehören in die Wüste oder auf die Schwäbische Alb geschickt. Einen Eisler a.D. mag es geben, einen Christus a. D. gibt es nicht. Himmelfahrt ist doch keine Abschiedsfete für einen pensionsreifen Herrn, der mit viel Ehrenzeichen mit Lametta auf der Brust, nun Krokodilstränen und großer Zapfenstreich verabschiedet wird auf einen himmlischen Ruhesitz. Himmelfahrt ist Regierungsantritt des aktiven Christus.
Was müsste bei uns vorgehen, wenn wir wieder begriffen, dass Jesus seine Mission hier auf Erden erfüllt hat? Was müsste bei uns abgehen, wenn wir wieder begriffen, dass dieser Herr aus diesem katastrophalen Abgang an Karfreitag einen triumphalen Anfang an Ostermorgen gemacht hat? Was müsste bei uns vorgehen, wenn wir wieder begriffen, dass der, der gehorsam war bis zum Tod am Kreuz nun einen Namen gegeben ist, der über alle Namen ist? Festlich ist es, bewegend und gewaltig zugleich.
Aber wie sieht es denn heute bei uns aus? Himmelfahrt ist Ausschlaftag. Himmelfahrt, ist Ausflugtag. Himmelfahrt ist zum Vatertag verkommen, an dem sie mit der Kreissäge auf dem Kopf und der Bierflasche in der Hand durch die Krinz trotten. Wir haben den Klang von Wilhelm Löhe nicht mehr im Ohr. Jenem geistvollen Prediger aus Bayern, der gesagt hat: "Seit die Morgensterne den Herrn der Schöpfung lobten, war kein Tag gewesen wie der Himmelfahrtstag. Das ist das größte Fest. Ja, mit diesem Festtag begann im Himmel das immerwährende Fest, dessen Lobgesänge bis heute nicht verstummt sind, ewig nicht verstummen werden." Wir haben keine Ahnung mehr vom Glanz dieses Tages. Wir haben keinen Begriff mehr vom Jubel dieses Tages. Wir haben keinen blaues Dunst mehr vom Lobpreis dieses Tages! Warum? Darum! Weil wir die Einsetzung nicht mehr sehen, weil wir den Antritt nicht mehr sehen, weil wir die Investur Jesu Christi nicht mehr sehen. Und deshalb müssen wir wieder dorthin gucken. Dorthin, wohin die Jünger auch geschaut haben. Bei den Jüngern abgucken, wohin man guckt. In der Schule ist abgucken verboten. Im Reich Gottes ist abgucken geboten. Dorthinschauen, dorthingucken, wo er eingesetzt wird. Und die Jünger haben es getan. Und sie sahen ein dreifaches und Paulus hat es in diesem Text noch einmal verdichtet:
Sie sehen erstens auf die Allmacht ihres Herren und dann sehen sie auf die Vollmacht ihres Herren und zum dritten sie sehen auf die Schutzmacht ihres Herrn. Das also ist das erste. Sie sehen auf die Allmacht ihres Herrn, obwohl sie zuerst etwas ganz anderes sehen. Diese elf zogen ja wie geschlagene Hunde an diesem Tag zurück nach Galiläa. Mit hängenden Köpfen und traurigen Herzen. Und von dort waren sie ja genau aufgebrochen, um das große Licht nach Jerusalem zu tragen. Die Verheißung sollte wahr werden, das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und so standen sie in Jerusalem und dann gingen alle Lichter aus. Der Karfreitag löste den größten Black-out aus, den die Welt je gesehen hat. Sie alle saßen in raben-schwarzer Finsternis. Und deshalb zogen sie zurück von Judäa nach Galiläa, von der Erwartung in die Enttäuschung, von der Hoffnung in die Resignation. Wenn Sie zurücksahen, sahen sie nur die Staatsmacht eines Pilatus, der Unschuldige verurteilte und der Unschuldige frei laufen lies und Barabasse verurteilte. Recht und Gerechtigkeit scheinen sich schon immer auszuschließen.
Und wenn Sie hinunter sahen, sahen Sie nur die Ohnmacht ihrer Hände. Als Petrus einmal sein Schwert nehmen wollte, um seinen Herrn zu verteidigen, da sagte er: Steck dein Schwert in deine Scheide. Gewalt löst nur Gegengewalt aus. Und wenn sie vorausschauen, sahen sie nur die Großmacht römischer Gottkaiser, die zur Hatz gegen die Christensekte aufriefen. Christianes at Leonem, Christen vor die Löwen. Passio passiva. Leiden müssen ist die Normalsituation seiner Leute. Bis zum heutigen Tag. Alles andere ist Ausnahme von der Regel. Und unsere Mitarbeiter hier von [...], die könnten ein Liedlein davon singen. Aber nun sehen diese Männer, sie sehen nicht zurück. Sie sehen nicht hinunter, sondern sie sehen voraus. Sie sehen auch nicht voraus, sondern Sie sehen hinauf. Und dort sehen Sie das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, hat Paulus gesagt. Das Ebenbild des unsichtbaren Gottes.
Man könnte es eigentlich vergleichen, dieses Icon, dieses Ebenbild, mit einer alten Einrichtung, die man an alten Häusern noch finden kann. Früher hier in der Alexanderstraße habe ich sie noch gesehen. Das waren die sogenannten Spione. Diese kleinen Spiegel, die man vor die Fenster geschraubt hat. Und vom Zimmer aus konnte man sehen, wer unten vor der Haustüre steht. Das war übrigens sehr praktisch und sehr geschickt. Wenn es läutete und die Schwiegermutter stand davor, dann verhielt man sich ruhig und war nicht da. Verstehen Sie? Durch den Spion sieht man, wer vor der Haustüre steht. Durch Jesus sieht man, wer vor unserer Lebenshaustüre steht. Nicht ein Es, nicht ein Fluidum, nicht irgendein Geist, nicht ein fremder Gott, sondern der Sohn des unsichtbaren Gottes, der schon damals der Besatzungsmacht gegenüber sagte, dem Statthalter: "Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von meinem Vater gegeben wäre." Man sieht den, der auf dem Meer, als dieses Meer, als dieses Meer wallte und tobte und das Schiff hin und her ging, dass er sein "Schweig und Verstumme" den Naturmächten entgegenrief. Und man sieht den der auf dem Berg der Versuchungsmacht widerstanden und den Teufel zum Teufel gejagt hat. Sie sehen über allen Ohnmächten die Allmacht ihres Herrn. Keiner wie Jesus. Seine unumschränkte, seine unumschränkte Machtfülle ist nicht zu übersehen.
Doch Jesus, die Machtfrage ist seit Himmelfahrt geklärt. Und nun frage ich Sie an diesem Morgen, warum sehen Sie eigentlich immer wieder zurück und fürchten sich vor den Mächtigen dieser Erde oder vor anderen Menschen? Warum schauen Sie immer wieder...